Rede von Ernst Söder Karfreitag 2018

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Jörder

liebe Gäste und Freunde aus dem In- und Ausland

verehrte Madame Godard

liebe Botschafterinnen und Botschafter der Erinnerung

meine Damen und Herren!

Wir haben uns am  heutigen Karfreitag  erneut an diesem Ort der Mahnung zusammengefunden, um  an die Verbrechen  zu erinnern, die  von Mördern der faschistischen Staatsmacht  1945 in Dortmund begangen worden sind.

Diese Tage im März und April 1945 gehören wohl zu den schwärzesten in der Geschichte unserer Stadt.

In dieser Zeit, an dem sich schon das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit die Niederlage der nationalsozialistischen Machthaber abzeichnete, kam es in Dortmund zu den Massakern an nahezu 300 Gefangenen, Zwangsarbeitern und Widerstandskämpfern aus sieben Ländern. Hier in der Bittermark und im Rombergpark.

Aus Überzeugung kämpften diese Menschen gegen die faschistische Diktatur und deren Unmenschlichkeit. Sie waren bereit, sich aufzulehnen und den Mund aufzutun, weil sie nicht schweigen und zusehen wollten, wie in Deutschland Zivilisation und Humanität von den braunen Machthabern in den Dreck gezogen werden.

Mit der Niederlegung von Blumen und Kränzen am heutigen Karfreitag  geben wir unserer Trauer einen äußerlichen und würdigen  Rahmen. Es ist ein Zeichen des Andenkens, das wir den Ermordeten damit zum Ausdruck bringen können.

Und wer waren die Täter dieses Verbrechens am Ende des Krieges 1945?

Erst  sieben Jahre nach den Gräueltaten fand vor dem Dortmunder Schwurgericht ein Prozess gegen die Täter statt.  Die Namen und die Herkunft der Mörder dieses unsagbaren Verbrechens sind nicht unbekannt geblieben, doch nur sehr  wenige SS- und Gestapoleute wurden zur Rechenschaft gezogen. Die Zurückhaltung in der Verfolgung von NS-Tätern führte im Jahre 1952  zu einer bemerkenswerten Milde für die Verurteilten.

Manche erhielten erneut Positionen in der Staats- und Justizverwaltung und arbeiteten wieder bei der Polizei – und aufgrund ihrer Verdienste wurden sie   in höhere Dienstgrade befördert.

Schwerwiegende Versäumnisse bei der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechen waren das Ergebnis von bewusst herbeigeführten politischen und juristischen Entscheidungen in den 50er und 60er Jahren, die auch Einfluss auf den Rombergpark-Prozess hatten.

Die Verhandlungen wurden von Richtern vorgenommen, die bereits während der Nazidiktatur  als Richter tätig waren und  erneut in den Staatsdienst übernommen worden sind. Eine Entnazifizierung hatte nicht stattgefunden. Somit urteilten Nazis über Nazis.

Wir wissen:

Entnazifizierungen  waren in jenen Tagen höchst unpopulär und wurden schon bald eingestellt, nachdem die in ihren Ämtern Verbliebenen,  in Folge gesetzlicher Bestimmungen, gleichsam amnestiert  und begnadigt worden waren.In Schlüsselfunktionen in der Justiz, Verwaltung und in der Politik fanden sich ehemalige Nazis wieder.

Bekannt ist, dass nach 1959 etwa die Hälfte der Leitenden Beamten im Bundes- bzw. in den Landeskriminalämtern ehemalige SS-Kreaturen und Gestapoleute von Polizeilichen Sondereinheiten tätig gewesen sind, die an Massenmorden beteiligt waren.

Der Schwur von Buchenwald, dem wir uns verpflichtet fühlen, besagt in seiner Kernaussage „ … den Kampf erst einzustellen, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht, und dem Ziel zu folgen,  „eine neue Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen“. Es gibt aber  nicht nur Schuldige, sondern auch schon wieder Neue. Daher wenden wir uns gegen neues Unheil.

Ein Gedenktag – wie der  heutige hier in der Bittermark – macht allerdings nur Sinn, wenn wir aus der Vergangenheit gelernt haben und neues Unrecht nicht hinnehmen.

Es genügt  nicht allein, die Erinnerung wach zu halten. Solche Tage wie heute sind insbesondere dafür da, zu mahnen und aktiv zu sein.

Erinnerung soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung von Mord und Massenmord entgegenwirken.

Sich den bedrückendsten Wahrheiten unserer Geschichte zu stellen, ist jedoch unverzichtbar. Dazu verpflichten uns die Opfer, ihre Angehörigen und Nachkommen.

Wir wissen aber auch um die erneuten Gefahren von Nationalismus, Antisemitismus  und Rassenhass  bei uns in Deutschland und anderswo. Tag für Tag. Und wir wissen, wie sehr politische Wachsamkeit gefordert ist. Jede Form von Antisemitismus und Rassismus müssen wir uns entschieden entgegenstellen – überall und jeden Tag.

In Europa erfahren wir schon seit  geraumer Zeit die Ernte des ausgesäten Windes. Aus diesem lauen Lüftchen ist ein böser Sturm geworden. Das ist nicht der wünschenswerte, notwendige und frische Wind.  Das ist der stinkende Wind aus der  Kloake der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Die Ausgrenzung Andersdenkender, anders Gläubiger, anders Aussehender, ist allgegenwärtig. Die Repression gegen die freie Presse feiert in vielen Ländern fröhlichen Urstand. Es ist vielerorts eine Atmosphäre voller Hass und Gewalt entstanden. Das war und das ist der Nährboden des Faschismus.

Doch wir wollen keinen Faschismus mehr. Und da gibt es auch kein Pardon. Faschismus ist keine Ideologie. Faschismus ist ein Verbrechen, für das es niemals eine Entschuldigung gibt. Damals wie heute: Faschisten sind Verbrecher, denen wir uns in den Weg stellen müssen.

Haben wir nach 1945 nicht allesamt gesagt „Wehret den Anfängen?“. Diese Erkenntnis hat längst ihre Wirkung verloren.  Wir sind schon wieder mittendrin: Rechtsradikalismus und Rassenhetze gehören zu den täglichen Erscheinungen und werden von rechts ausgerichteten Parteien auch noch geschürt.

Eine Dortmunder Zeitung schreibt Anfang März dieses Jahres, dass zehn rechtsradikale Taten pro Tag allein  in Nordrhein-Westfalen verübt werden. Das heißt: Wir müssen wachsam sein, „denn der Schoß ist furchtbar noch, aus dem dies kroch“, wie Bert Brecht es einst gesagt hat und heute von höchster Aktualität ist.

Immer wieder stellen wir uns die Frage, wieso die Nazis in unserer Republik nahezu unbehelligt ihr Unwesen treiben dürfen. Geschützt von den Gerichten verbreiten sie ihren Hass unter unserer Jugend und finden dort einen guten Nährboden.

Wie aber sollen wir unserer Jugend begreiflich machen, dass das, was die Nazis verbreiten, verbrecherisch ist, wenn wir diese gleichzeitig verfassungsrechtlich schützen und darüber hinaus auch noch finanziell unterstützen? Ein solcher  Widerspruch ist wohl kaum zu vermitteln.

Jahr für Jahr führen  uns die Neonazis immer wieder mit Aufmärschen ihre menschenverachtende Weltanschauung vor und niemand scheint im Stande, diesem unwürdigen Schauspiel ein Ende zu bereiten. Sicher, unser Recht auf freier  Meinungsäußerung ist ein hohes Gut. Dieses Gut ist so  hoch anzusetzen, dass wir auch mit Meinungen leben müssen, die jenseits  vom guten Geschmack,  allgemeiner Moral- und Wertvorstellung liegen.

Doch das, was die Nazis verbreiten,  ist mehr als nur ein schlechter Geschmack. Sie vergiften unsere Gesellschaft, verbreiten Hass und sind gewaltbereit.

Zeigen wir den Nazis am 14. April anlässlich ihrer europaweiten Demonstration in Dortmund, dass wir ein offenes, solidarisches Europa und keine nationalistische Beschränktheit wollen.

Unsere Geschichte verpflichtet uns zum Handeln –  gegen rechtsextremes Denken, gegen Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz.

Wir tragen Verantwortung für die Gestaltung einer demokratischen und freien sozialen Gesellschaft.

Und künftigen Generationen müssen wir immer wieder vor Augen führen, wo es schon einmal geendet hat, als man die Menschenwürde in Deutschland mit Füßen trat,  die

Grundprinzipien mitmenschlichen Umganges missachtete – und einem von vielen bejubelten Führer und Diktator – Allwissenheit und Allmacht zubilligte. Einem Führer, der von Größenwahn, Völkermord, Rassenhetze, Vernichtung und Verbrechen gegen das Völkerrecht besessen war.

Bemerkenswert und lobenswert sind die Aktivitäten  der  jungen BotschafterInnen der Erinnerung, die seit vielen Jahren die Gedenkfeiern in der Bittermark vorbereiten,  mitgestalten und moderieren und seit langem sich das Ziel gesetzt haben, den Opfern ein Gesicht zu geben.

Heute werden sie unterstützt von den „Botschafterinnen und Botschaftern“ aus Paris,

die seit mehreren Tagen in Dortmund sind und den Verlauf des Programms mitgestalten.

Liebe Freunde: Respekt für Eure Aktivitäten und herzlichen Dank im Namen des Internationalen Rombergpark-Komitees für euren vorbildlichen und ermutigenden Einsatz und für die Gestaltung der heutigen Gedenkveranstaltung.

Legen wir an den Gräbern der Ermordeten ein Bekenntnis ab zum Frieden,  zu Toleranz und Gerechtigkeit. Wir schulden es den unschuldigen Opfern und unserer Nachwelt.

Bekennen wir uns zu ihren Idealen von Menschenwürde und Freiheit, für die sie ihr Leben gaben; denn jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Erinnern,  Gedenken, Mahnen – aber auch handeln – das ist unsere Losung.

Ja, wir wollen endlich Frieden, endlich eine Gesellschaft ohne Naziideologien und Nazihorden. Dafür müssen wir kämpfen und wachsam sein.

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Karfreitag 2018

In diesem Jahr wurde die Gedenkveranstaltung durch französische und deutsche Botschafter*innen der Erinnerung gestaltet. Die Rede von Ernst Söder finden Sie oben, einen Artikel vom Nordstadtblogger finden Sie hier.

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Einladung zur Mitgliederversammlung am 3.2.2018

Die Mitglieder des Fördervereins sind herzlich zur nächsten Mitgliederversammlung eingeladen, die am Samstag, 3.2.2018, um 10 Uhr im Europazentrum (Auslandsgesellschaft), Steinstraße 48, Dortmund, stattfindet.

Wesentliche Tagesordnungspunkte:
– Bericht des Vorstandes
– Kassenbericht und Bericht der Kassenprüfer
– Entlastung des Vorstandes
– Wahl des Vorstandes und der Kassenprüfer
– Satzungsangelegenheiten

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Vorstandssitzung am 30.6.2017

Die nächste Vorstandssitzung des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee ist am Freitag, dem 30. Juni 2017, ab 15.30 Uhr.

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Beeindruckende Kundgebung in der Bittermark

In der Dortmunder Bittermark fand am Karfreitag 2017 wieder eine beeindruckende Kundgebung zur Erinnerung an die Dortmunder Opfer der Kriegsendphasenverbrechen statt. Die jährliche Karfreitagskundgebung ist die wohl größte regelmäßige antifaschistische Manifestation in NRW und sah auch diesmal wieder eine starke Jugendbeteiligung. Wir verweisen auf die Berichterstattung der Nordstadtblogger.

 

Die Rede von Ernst Söder, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache / Internationales Rombergpark-Komitee

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Sauer,
verehrte Madame Godard,
verehrte Gäste und Freunde aus dem In- und Ausland,
liebe Botschafterinnen der Erinnerung,
meine Damen und Herren!

Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Dortmund endete der Zweite Weltkrieg am 13. April 1945 in Dortmund; gestern vor 72 Jahren. Doch die Ermordungswelle in Dortmund, die am 7. März 1945 begonnen hatte, wurde fortgesetzt. Noch am 12. April hatte die Gestapo Gefangene in Hörde hingerichtet. Zwangsarbeiter, Widerstandskämpfer aus sieben Ländern, Deutsche, Polen, Sowjetbürger, Jugoslawen, Belgier, Holländer und Franzosen.

Während der zwölfjährigen Hitlerdiktatur und Gewaltherrschaft kämpften Menschen vieler Nationen für die Zerschlagung des Faschismus und gegen Krieg, für Völkerverständigung und Demokratie. Viele haben dafür ihr Leben lassen müssen. Mit der Niederlegung von Blumen und Kränzen am heutigen Karfreitag  geben wir unserer Trauer einen äußerlichen und festlichen Rahmen. Es ist ein Zeichen des Andenkens, das wir den Ermordeten zum Ausdruck bringen können.

Der im Jahre 1955 verstorbene Dortmunder Schriftsteller Erich Grisar hat in seinem Roman „Cäsar 9“ seine Empfindungen über die Massenexekutionen im Frühjahr 1945 geschildert. Ich möchte sie ihnen einleitend vortragen. Ich zitiere:

„An einem Morgen Ende April 1945 ging das Gerücht, in einem Park am Rande der Stadt habe man die verscharrten Leichen einiger hundert Ermordeter aufgefunden. Eine Lähmung ergriff die Menschen. Die kalte Hand, die so lange an ihrem Hals gesessen, die sie schon nicht mehr gespürt, seit die braunen Uniformen von den Straßen verschwunden waren, griff wieder nach ihnen und würgte sie. In ihrer Mitte war wieder aufgestanden, was sie zwölf Jahre hindurch nicht hatten wahrhaben wollen, was sie selbst in ihren Angstträumen noch verdrängt. Wohl hatten sie mit dem Wort „Gestapo“ immer etwas Schreckliches, jeden freien Willen, jede eigene Meinung Lähmendes verbunden, aber sie waren der Wirklichkeit des Wortes aus dem Wege gegangen. Es war ja immer nur der Nebenmann, der getroffen wurde. So wie der Tod immer nur den anderen trifft.

Hier aber war der Tod nicht als Freund gekommen. Unfrisiert und nackt hatte er seine Opfer in den Tiefen dreier Bombentrichter verscharrt und ohne die Hülle eines prunkvollen Sarges hatte man lose Erde über sie gehäuft. Kein Pomp, kein Stein, kein Schild mit einem Namen. Nur da und dort deutete ein unverhüllt gebliebener Fuß oder eine zur Anklage gehobene Hand an, dass die Erde nicht gewillt war, Kupplerin des Geheimnisses zu sein, das man ihr in allzu großer Eile anvertraut.

Vorüberkommende hatten die Gräber entdeckt. Nun lagen die Toten, die man ausgegraben hat, in langen Reihen neben dem Weg. Männer und Frauen, Gefangene und Soldaten. Kinder selbst waren unter den Opfern. Mit aufgerissenem Mund lagen sie da und mit gebundenen Händen.“

Zweiundsiebzig Jahre sind seitdem vergangen, dass Meuchelmörder der Gestapo und der SS  Männer und Frauen  zu Tode folterten und ermordeten. Hände und Füße wurden den Opfern vor dem Abtransport zu den Todesstätten mit Stacheldraht und Bindedraht gefesselt; ihre Leiber bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, so dass die Mehrzahl von ihnen nicht mehr zu erkennen war.

Heute wollen wir erneut an diese Verbrechen erinnern und der Menschen gedenken, die in den letzten Stunden des Zweiten Weltkrieges noch heimtückisch und hinterhältig hingerichtet worden sind, an die Frauen und Männer, deren Lebenswille es war, die Freiheitsrechte zu verteidigen. Sie kämpften gegen die faschistische Diktatur und deren Unmenschlichkeit, und sie waren bereit, sich aufzulehnen und den Mund aufzutun, weil sie nicht schweigen und zusehen wollten, wie in Deutschland Zivilisation und Humanität von den braunen Machthabern in den Dreck gezogen werden.

Was geschah mit den Gestapoverbrechern, die diese Mordtaten ausgeführt haben? Sieben Jahre nach den Ereignissen begann 1952 vor dem Dortmunder Schwurgericht der Prozess gegen die Täter von 1945. 28 ehemalige Gestapobeamte hatten sich zu verantworten. Die Anklage lautete: Aussageerpressung im Amt in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung, dazu Beihilfe zur Tötung. Kurz nach Kriegsende waren zwar einige Gestapo-Männer verhaftet, aber bald wieder freigesetzt worden. Viele Mittäter hatten in den sieben Jahren bis zum Prozessbeginn genügend Zeit, fliehen zu können oder sich einen anderen Namen zuzulegen. Sie blieben unauffindbar.

Fast alle Angeklagten erhielten weniger als drei  Jahre Freiheitsstrafe, und sie behielten ihre bürgerlichen Ehrenrechte. Der Leiter der Mordaktion, Gestapo-Kriminalrat Schmidt, wurde freigesprochen. Schwerwiegende Versäumnisse bei der strafrechtlichen Verfolgung von NS-Verbrechen waren das Ergebnis von bewusst herbeigeführten politischen und juristischen Entscheidungen in den 50er und 60er Jahren und hatten auch Einfluss auf den Rombergpark-Prozess. Die Zurückhaltung bei der Verfolgung von NS-Tätern führte zu einer bemerkenswerten Milde für die Verurteilten.

Ein Gedenktag wie heute, meine Damen und Herren, verpflichtet uns dazu, aus der Vergangenheit zu lernen und Unrecht nicht hinzunehmen. Es genügt nicht, allein die Erinnerung wach zu halten. Tage wie heute sind insbesondere dafür da, zu mahnen und aktiv zu sein, damit sich solche und andere Verbrechen und Grausamkeiten niemals wiederholen. Und es ist notwendig, künftigen Generationen immer wieder vor Augen zu führen, wo es schon einmal geendet hat, als man die Menschenwürde in Deutschland mit Füßen trat,  die Grundprinzipien mitmenschlichen Umganges missachtete und einem von vielen bejubelten Führer und Diktator Allwissenheit und Allmacht zubilligte. Einem Führer, der von Größenwahn, Völkermord, Rassenhetze, Vernichtung und Verbrechen gegen das Völkerrecht besessen war.

Wir wollen und können nicht akzeptieren, dass Rassenhetze und Faschismus-Verherrlichung in unserem Land wieder um sich greifen. Neofaschistische Umtriebe und Überfälle dürfen nicht verharmlost, Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und Gewalt müssen bekämpft werden! Und wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!

Mut machen mir die jungen Botschafter der Erinnerung, die seit vielen Jahren die Gedenkfeiern in der Bittermark mitgestalten und moderieren. Und ich kann dem nur zustimmen, was der Herr Oberbürgermeister vor zwei Jahren an dieser Stelle sagte: „Sie sind unsere Brücke in die Zukunft.“ Liebe Freunde: Respekt für eure Aktivitäten und herzlichen Dank im Namen des Internationalen Rombergpark-Komitees für euren vorbildlichen und ermutigenden Einsatz und für die inhaltliche Gestaltung der heutigen Gedenkveranstaltung.

Ein paar Anmerkungen möchte ich noch zu dem kürzlich ergangenen Urteil in Sachen NPD-Verbot machen. Immer wieder haben in der Vergangenheit die Redner hier in der Bittermark und anderswo ein Verbot der NPD und anderer rechtsradikalen Gruppen gefordert. Es war ermutigend, dass der Bundesrat ein Parteienverbot beim Bundesverfassungsgericht beantragt hatte. Leider ohne Erfolg.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Januar 2017 ist allerdings so eindeutig wie vernichtend. Die NPD ist zwar nach Aussagen des Gerichtes verfassungsfeindlich; dennoch wird sie nicht verboten. Das Gericht hält die rechtsextreme und neo-nationalistische Partei nicht für stark und bedeutend genug, um ihre gefährlichen Ziele durchzusetzen. Die Richter nahmen nicht zur Kenntnis, dass die NPD zum Erreichen ihrer Ziele eine Atmosphäre der Angst erzeugt und unter anderem verantwortlich ist für Brandanschläge auf Asylbewerberunterkünfte und Flüchtlingsheime.

Die Freiheit der Meinungsäußerung in allen Ehren, aber auch Oberste Richter leben nicht in geschichtsfreien Räumen. Und die jüngere deutsche Geschichte ist Mahnung genug! Neonazis entschieden zu bekämpfen – das gilt auch für die Verfassungsjuristen in Karlsruhe! Man darf nicht jede rechtsnationale Meinung gleichwertig einer freiheitlichen demokratischen Meinung betrachten. In einer Demokratie, die ja auch die Lehren aus der Geschichte ziehen will, müssen die Anfänge der Verbreitung faschistischer Gedankenwelten unter Strafe gestellt und verhindert werden.

Denn Faschismus, meine Damen und Herren, ist keine Ideologie. Faschismus ist ein Verbrechen, für das es niemals eine Entschuldigung gibt. Damals wie heute: Nazis sind Verbrecher, denen wir uns in den Weg stellen müssen!

Mit der Mahn- und Gedenkstätte hier in der Dortmunder Bittermark wurde in internationaler Zusammenarbeit eine würdige und die Menschen bewegende Erinnerungsstätte geschaffen. Die Mahnung, die von hier ausgeht, soll uns die Kraft geben, für ein friedliches Zusammenleben einzustehen. Lassen sie mich zum Schluss die Gedanken einer Urenkelin eines Ermordeten zitieren, die sie in Lippstadt in Erinnerung an die Rombergparkmorde vor einigen Jahren vorgetragen hat:

„Mein lieber Urgroßvater, vor mehr als sechzig Jahren wurdest du in Dortmund erschossen. Zusammen mit vielen Gleichgesinnten, die sich gegen die nationalsozialistische Diktatur gestellt haben. Du musstest sterben, weil den Leben geprägt war durch den Glauben an die Freiheit und Menschlichkeit. Und daran, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben und keiner aufgrund seiner Herkunft oder seiner Überzeugung mehr wert ist als ein anderer. Es ist für mich heute schwer zu verstehen, dass es überhaupt so eine Zeit gegeben hat, in der ein Menschenleben so wenig wert war. Du hast für eine bessere Welt gekämpft, für eine Welt, in der deine Nachkommen es besser haben sollten.

In der Schule sprechen wir zur Zeit über diese schrecklichen Ereignisse. Es berührt mich sehr, dass auch du zu den Opfern dieses Terror-Regimes gehörst. Wie gerne hätte ich dich kennengelernt, um meine vielen Fragen beantwortet zu bekommen. Du bist in unserer Familie immer mehr als nur Gesprächsstoff gewesen. Aus den Erzählungen von deinem Sohn, meinem Opa, habe ich viel über dich erfahren, welche Wünsche du hattest und welche Ziele du verfolgt hast. Für das Erreichen dieser Ziele, die dir so viel wert waren, bist du gestorben. Du bist für mich ein Held. Genauso wie die vielen anderen Opfer. Manchmal träume ich von dir. Dann gehen wir zusammen spazieren, und dann erklärst du mir die Welt mit deinen Worten. Das ist für mich eine Welt, in der es sich lohnt, zu leben.“

Legen wir an den Gräbern der Ermordeten ein Bekenntnis ab zu Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit. Wir schulden es den unschuldigen Opfern. Bekennen wir uns zu ihren Idealen von Menschenwürde und Freiheit, für die sie ihr Leben gaben. Denn jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Den Opfern des Faschismus wurde dieses Recht auf grausamste Art und Weise genommen. Stellen wir uns heute denen entgegen, die dieses Recht erneut mit Füßen treten!

Erinnern, Gedenken und Mahnen ist unsere LosungNie wieder Faschismus, nie wieder Krieg! Wehret den Anfängen!

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Karfreitagskundgebung 2017 in der Bittermark mit starker Jugendbeteiligung

Gedenkfeier für die Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft, Mahn- und Gedenkstätte in der Dortmunder Bittermark

Karfreitag, 14. April 2017, 15 Uhr

Es sprechen:
– Bürgermeister Manfred Sauer
– Ernst Söder vom Förderverein Gedenkstätte Steinwache/Internationales Rombergpark-Komitee
– Botschafter der Erinnerung
– Grußwort von Madame Nicole Godard

Mitwirkende:
– Posaunenchöre aus Dortmund
– Kinderchor der Chorakademie Dortmund e.V.
– Johann-Gutenberg-Realschule (Beitrag zu Martha Gillessen)
– Gymnasium an der Schweizer Allee (Beitrag zu Friedrich Schramm)
– Droste-Hülshoff-Realschule (Beitrag zu Karl Altenhenne)
– Gesamtschule Gartenstadt (Beitrag zu Franz Schultenjohann)
– THW-Jugend (Beitrag zu den Brüdern Mörchel)
– Botschafter der Erinnerung (Beitrag zu Leon Chadirac)

(Anreise ab Hauptbahnhof mit U49 bis Hacheney, dann Bus 447 bis Haltestelle Olpkebach)

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Veranstaltungen zum Karfreitag 2017

Karfreitag, 14. April 2017

Gedenken auf dem Internationalen Friedhof in Dortmund-Brackel
10.30 Uhr Kranzniederlegungen an den Ehrenmalen für die sowjetischen, jugoslawischen und polnischen Opfer des Faschismus sowie an den jüdischen Grabstätten

Gedenkfeier in Lünen
11 Uhr Lünen Südpark, an der Derner Straße
Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer der Gestapomorde

Samstag, 15. April 2017

Gedenkfeier in Lippstadt
11 Uhr am Gedenkstein an der St.-Josefs-Kirche Lippstadt. Das Rombergpark-Komitee unterstützt seit Jahrzehnten die Gedenkfeier in Lippstadt. Sechs Arbeiter und sieben französische Zwangarbeiter des  Unionwerkes  in Lippstadt  wurden 1945 von der Gestapo verhaftet und in der Dortmunder Bittermark bzw. im Rombergpark ermordet.

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