80 Jahre Zweiter Weltkrieg – Ausstellung und Veranstaltungsreihe in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache

Am 1. September jährt sich der deutsche Überfall auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa zum 80. Mal. Wir nehmen dies zum Anlass, uns im September und Oktober 2019 einiger der eher unbekannten Aspekte dieses Krieges zu widmen.
Zunächst wird am 5. September die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ durch den Kurator Karl Rössel eröffnet. Die Ausstellung wird im Anschluss bis Ende Oktober in der Steinwache zu sehen sein (während der Herbstferien ist das Haus allerdings leider geschlossen).
Es folgen Vorträge von Ingrid Strobl zu jüdischem Widerstand im besetzten Polen (12.09.), von Markus Roth zu den Akteuren der deutschen Zivilverwaltung (19.09.), von Daniel Brewing zu den deutschen Massakern an nicht-jüdischen Polen (26.09.) und von Maria Schindelegger zur Kriegsfotografie und speziell zu den Fotos des befreiten KZ Buchenwald von Margaret Bourke-White (11.10.).

05.09.-31.10.2019
Ausstellung
Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
Ihre Kriegseinsätze kommen in den Geschichtsbüchern nicht vor, ihre Gefallenen sind nirgends aufgelistet. An ihre Opfer erinnert kaum ein Monument und an den Bombenterror in ihren Städten keine Fernsehserie. So hoch der Preis auch war, den die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg zahlte, so konsequent wurde er seitdem vergessen und verleugnet. Auf der Basis langjähriger Recherchen des Rheinischen Journalistenbüros in über dreißig Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens werden die Folgen des Zweiten Weltkrieges für die Dritte Welt in dieser Ausstellung eindrücklich gezeigt.

Donnerstag 05.09.2019, 19:00 Uhr
Vortrag und Ausstellungseröffnung mit Karl Rössel, Kurator der Ausstellung und Ko-Autor des Buchs und der Unterrichtsmaterialien zum Thema

Donnerstag, 12.09.2019, 19:00 Uhr
Ingrid Strobl: „Wir wollten etwas tun“ – Jüdischer Widerstand im deutsch-besetzten Polen
Sie hatten keine Chance. Kaum Kontakte zur Außenwelt. Keine Unterstützung durch den polnischen Widerstand. Nur eine Handvoll Revolver, selbstgebaute Molotowcocktails und Zündflaschen. Und dennoch taten sie es: Vor 75 Jahren erhoben sich junge Frauen und Männer in den Ghettos des deutsch-besetzten Polen gegen ihre Mörder. Wer waren sie? Woher nahmen sie ihren Mut und ihre Entschlossenheit? Wie und unter welchen Bedingungen organisierten sie den jüdischen Widerstand von Wilna bis Bialystok? Warum spielten Frauen in diesem Widerstand eine bedeutende Rolle?
Dr. Ingrid Strobl hat zum jüdischen Widerstand geforscht, mit überlebenden Widerstandskämpferinnen gesprochen und referiert hier die Antworten, die sie auf diese Fragen gefunden hat.

Donnerstag, 19.09.2019, 19:00 Uhr
Markus Roth: Herrenmenschen: Die deutschen Kreishauptleute im besetzten Polen
Die Geschichte der deutschen Besatzungsherrschaft in Polen während des Zweiten Weltkriegs ist eine Geschichte des Terrors, der Korruption und der Vernichtung. Motor der fortschreitenden Brutalisierung waren die Kreis- und Stadthauptleute, eine aus dem „Altreich“ kommende nationalsozialistische Funktionselite mit nahezu unbegrenzten Machtbefugnissen. Markus Roth beschreibt ihre Vorreiterrolle für die Radikalisierung in den zentralen Bereichen der Besatzungspolitik – und er schildert die Konsequenzen ihres Auftretens als notorisch gewaltbereite ‚Herrenmenschen‘ im Osten.
Dr. Markus Roth ist Stellvertretender Leiter und Geschäftsführer der Arbeitsstelle Holocaustliteratur.

Donnerstag 26.09.2019, 19:00 Uhr
Daniel Brewing: Im Schatten von Auschwitz
2078 Tage lang übte Deutschland im Zweiten Weltkrieg ein brutales Besatzungsregime über sein Nachbarland Polen aus. Neben drei Millionen polnischen Juden fielen dem deutschen Terror auch rund eine Million nicht-jüdischer Polen zum Opfer. Daniel Brewing rückt erstmals die Massaker an diesen in das Zentrum einer wissenschaftlichen Analyse.
Dr. Daniel Brewing war Stipendiat des Deutschen Historischen Instituts Warschau, des United States Holocaust Memorial Museum und der Fondation pour la Mémoire de la Shoah. Seit 2015 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere Geschichte der RWTH Aachen.

Freitag, 11.10.2019, 18:00 Uhr
Maria Schindelegger: „To map the place with negatives.“ Margaret Bourke-Whites Fotografien aus dem Konzentrationslager Buchenwald
Margaret Bourke-White (1904-1971), erster weiblicher „staff photographer“ des populären Bildmagazins LIFE, erhielt im Frühjahr 1942 als erste Fotografin eine Akkreditierung als Kriegsberichterstatterin. Kurz vor Kriegsende kam sie nach Deutschland, um dort für die US Air Force Bombenschäden zu dokumentieren. Am 15. April erreichte sie das Konzentrationslager Buchenwald, wo zahlreiche Fotografien, die die katastrophalen Zustände im Lager zeigen, entstanden. Der Vortrag stellt die bekanntesten Bilder und Motive vor und setzt sie in Verbindung zur zeitgenössischen visuellen Kultur. Er untersucht, warum gerade diese Motive so häufig und erfolgreich reproduziert wurden und fragt, welche Bilder nicht oder erst später in die öffentliche Wahrnehmung gelangten.
Dr. Maria Schindelegger hat sich im Bereich Fotogeschichte mit der visuellen Repräsentation von Krieg und Gewalt sowie dem Themenkomplex Fotografie und Holocaust
beschäftigt und wurde mit einer Arbeit über Margaret Bourke-Whites Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg promoviert. Sie arbeitet derzeit als Kunsthistorikerin bei der Stiftung DASMAXIMUM.

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Rede von Ernst Söder vom 27. Juli 2019 in Dortmund-Hombruch

Oberbürgermeister Sierau hat in seiner Ansprache anl. der diesjährigen Karfreitagsveranstaltung in der Bittermark das Zitat von Bertolt Brecht verwendet, das da heißt „Der Mensch ist erst dann wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“

Liebe Freunde, verehrte Anwesende!

Wir erinnern am heutigen Samstagvormittag  – stellvertretend für viele andere –  erneut an vier Hombrucher Widerstandskämpfer, die für unzählige Frauen und Männer standen, die  während der NS-Zeit von den Nazi-Horden erniedrigt, gefoltert und am Ende ermordet worden sind: An Wilhelm Oberhaus, Hans Grüning, Fritz Husemann und Wilhelm Knöchel.

Wir haben sie nicht vergessen, obwohl wir ihnen nie persönlich begegnet sind.

Aber wir wissen von ihrem Mut und ihrem Tun gegen das faschistische Deutschland, das nur von Völkermord, Denunziation und Gestapo besessen war.

Bis auf Wilhelm Knöchel sind die Namen an dieser Gedenktafel hier an der Sparkasse, am früheren Standort des Hombrucher Amtshauses, verewigt. An Wilhelm Knöchel erinnern wir, weil er am gleichen Tage wie Hans Grüning mit dem Fallbeil hingerichtet worden ist und ebenfalls aktiven Widerstand gegen die NS-Diktatur geleistet hat.

Bereits vorher hatten die Nazis jüdische Männer, Frauen und Kinder von Dortmund in das Getto nach Riga deportiert. Dort warteten Hunger und Zwangsarbeit auf sie. Die meisten von ihnen haben die Deportation und den Aufenthalt im Ghetto nicht überlebt.

Die Nazis beherrschten das öffentliche Leben. Die Angst der Menschen vor Denunzianten ließ jegliche öffentliche Kritik verstummen. Das Verhältnis von Hausbewohnern, Freunden und Verwandten war geprägt vom Misstrauen und Einschüchterung.

Seinen Mund verbieten ließ sich nicht Wilhelm Oberhaus.

Oberhaus war Priester in der St.-Clemens-Gemeinde in Hombruch. In seinen Predigten setzte er sich für das Erziehungsrecht der Eltern ein, in denen er sagte. „Die Kinder, liebe Eltern, gehören euch nach Gott, erst dann dem Staat.“   Damit machte er sich zum Feind des Regimes und wurde von Gemeindemitgliedern bei der Gestapo denunziert.

Die Verurteilung wegen Vergehens gegen das Heimtücke-Gesetz durch das Dortmunder Sondergericht brachte ihm nicht nur fünf Monate Haft ein, sondern bedeutete für ihn auch das Ende seiner Tätigkeit in Hombruch. Er wurde versetzt nach Bockwitz, dort wurde er wegen eines weiteren Vorfalls verhaftet und in Schutzhaft genommen.

Am 10. Oktober 1941 wurde Wilhelm Oberhaus ins Konzentrationslager überführt. Seine Leiden im KZ-Lager Dachau dauerten vom Tage seiner Einlieferung am 10. Oktober 1941 bis zum 20. September 1942. Er starb an Hunger und nicht behandelten Phlegmonen am rechten Unterschenkel. Im Lagerkrematorium wurden seine sterblichen Überreste eingeäschert und seinem Vater in einer Urne zugeschickt.

Unter großer Anteilnahme wurden die Überreste des Verstorbenen am 24. Oktober 1942 auf dem Herforder Friedhof beigesetzt. Die Beerdigung glich einer Protestversammlung gegen das faschistische Unrecht.

Die Stadt Dortmund würdigte Wilhelm Oberhaus mit der Benennung einer Straße im Stadtteil Hombruch, die katholische Pfarrei St. Clemens in Hombruch benannte das im Jahre 1958 fertiggestellte Pfarrheim nach Wilhelm Oberhaus und in Herford wurde eine Katholische Grundschule 1987 in „Wilhelm Oberhaus Schule“ benannt.

Wir erinnern und gedenken in dieser Stunde an den jungen Hans Grüning

Er war Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes in Barop.

Als Hitler an die Macht kam, war er 16 Jahre alt. Er erlebte, dass sein Vater 1933 von der Gestapo verhaftet und als Staatenloser ausgewiesen wurde.

Grüning pflegte in den 1940er Jahren Kontakte zu sowjetischen Kriegsgefangenen und übernahm Kurierdienste nach Holland, um den Informationsfluss zwischen den Parteigremien sicherzustellen. Er wurde gefasst und von der Gestapo verhaftet. Hans Grüning wurde am 9. Juni 1944 wegen Verbreitung feindlicher Rundfunkhetze mittels Flugblätter und Aufforderung zur Arbeitssabotage vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 24. Juli 1944 in Brandenburg hingerichtet. Das geschah vier Tage nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler.

Ebenfalls am 24. Juli 1944 (ich erwähnte es bereits) haben die Nazis Wilhelm Knöchel im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.

Aus zugänglichen Unterlagen entnehmen wir, dass er durch vorherige Folterungen nicht in der Lage war, zur Hinrichtungsstätte zu gehen und dass er auf einer Trage dorthin gebracht werden musste.

Der 1899 in Offenbach geborene Knöchel wächst in einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie auf. 1917 wird er Soldat und schwer verwundet. Zwei Jahre später tritt Knöchel der SPD bei und wechselt 1920 ins Ruhrgebiet. Lange Zeit hat er in Dortmund gewirkt und am Widerstands Kampf an Rhein und Ruhr teilgenommen.

Knöchel schloss sich dem Bergbauindustrieverband und der KPD an. In Dortmund-Brünninghausen übernimmt er Aufgaben als Kassierer und später als Vorsitzender. Unter seiner Leitung wurden von Amsterdam aus illegale Flugblätter an die Bergarbeiterschaft im Ruhrgebiet und im Saarland gerichtet. Im Januar 1943 wurde Knöchel verhaftet.

Und wir gedenken und erinnern heute an Fritz Husemann, der ebenfalls eine Zeitlang in Hombruch und in Witten seinen Wohnsitz hatte.

Fritz Husemann war Sozialdemokrat, Vorsitzender des Bergarbeiterverbandes Deutschland, Abgeordneter im Preußischen Landtag und bis 1933 Mitglied im deutschen Reichstag.

Husemann zählte seinerzeit zu den populärsten Gewerkschaftsvertretern des Ruhrgebiets und galt als einer der profiliertesten Sozialdemokraten der Weimarer Zeit.

Er wurde verfolgt und am 11. März 1933 durch die SA mit vielen anderen Bochumer Sozialdemokraten verhaftet und am 2. Mai 1933 nach Besetzung des Hauses des Bergarbeiterverbands in Bochum fristlos entlassen. Bis zum 3. Juli 1933 wurde er mehrfacht inhaftiert und durch die Polizei verhört. Obwohl ihm der amerikanische Bergarbeiterverband zur Emigration riet, lehnte er diese ab. Er hielt auch illegal Gewerkschaftsverbindungen aufrecht und vertrat (allerdings erfolglos) in Prozessen entlassene Angestellte des Bergarbeiterverbands.

Am 18. März 1935 verklagte er die Deutsche Arbeitsfront auf Entschädigungszahlungen. Daraufhin wurde Fritz Husemann am gleichen Tag erneut im Polizeigefängnis in Bochum inhaftiert und am 13. April 1935 in das KZ Esterwegen überführt.

Bereits einen Tag nach seiner Einlieferung schoss ihm die KZ-Mannschaft bei einem angeblichen Fluchtversuch in den Bauch. Er starb am darauffolgenden Tag an einer Bauchfellentzündung im Krankenhaus in Sögel.

Die Einäscherungsfeier in Dortmund und die Beisetzung in Bochum Ende April 1935, an der über eintausend Personen teilnahmen, waren beeindruckende Kundgebungen für die persönliche Popularität Husemanns, aber auch für den Zusammenhalt der freigewerkschaftlichen Bergarbeiterbewegung.

Diese Männer – verehrte Anwesende haben – so wie viele Tausende andere auch – Mut und Haltung bewiesen. Sie haben unseren Respekt verdient und sie sollten uns Vorbild sein. Menschen wie sie sind der Maßstab, an den wir uns messen lassen müssen, wenn unsere Haltung gefragt ist.

Unsere Aufgabe ist es, Ereignisse und Verbrechen, wie sie sich von 1933 bis 1945 zugetragen haben, mit allen uns zugänglichen Mitteln, zu verhindern.

Wir müssen uns klar aufstellen gegen die rechtsextremen Parteien und Organisationen in der Tradition der Nationalsozialisten.

Und wir müssen uns auch deutlich abgrenzen von völkisch nationalen Anbiederungen einer AfD. Möge die Geschichte uns dazu verpflichten.

Wehret den Anfängen…. auch jetzt wieder.

Unsere Demokratie ist zwar stabil, sie ist aber auch schnell durch Neonazis und rechte Populisten in Gefahr.

Die Menschen müssen endlich damit aufhören, die geistigen und mittlerweile auch praktischen Brandstifter in unserer Republik als „Protestwähler“ oder „Mitläufer“ zu verharmlosen.

Es sind Demokratie- und Menschenfeinde. In ihren Köpfen ist nur noch Hass und Tumbheit. Sie haben sich in ihrer Parallelgesellschaft so radikalisiert, dass ihnen mittlerweile nur noch mit juristischen Mitteln beizukommen ist.

Und wer angesichts des Schulterschlusses rechtsradikaler Kräfte noch von „berechtigtem Bürger Protest“ spricht, wer immer noch die AfD unterstützt, um „denen da oben eines auszuwischen“, der muss wissen, was er tut. Der öffnet alten und neuen Nazis die Türen.

Es fing nicht mit Gaskammern an. Es fing an mit einer Politik, die von WIR gegen Die sprach. Es fing an mit Intoleranz und Hassreden. Es fing an mit der Aberkennung von Grundrechten. Es fing an mit brennenden Häusern. Es fing an mit Menschen, die einfach wegschauten.

Wehret den Anfängen, jetzt – morgen und in den Zeiten danach.

Wir wollen keinen Faschismus mehr. Faschismus ist kein Glaubensbekenntnis, sondern ein Verbrechen.

 

 

Stolpersteine für Emmi und Gustav Eisenstein

Wenn das Gedenken ein Gesicht bekommt

Datum: Montag, 08.07.2019, 14.00 und 19.00 Uhr
Ort: siehe Beschreibung
Preis: kostenlos

Am Montag, den 8. Juli 2019, werden um 14:00 Uhr in der Harkortstraße 73 in Dortmund-Hombruch Stolpersteine für Emmi und Gustav Eisenstein verlegt.Das Ehepaar hatte hier gelebt und ein Sportartikelgeschäft betrieben. Nachdem Gustav bereits im Anschluss an die Reichspogromnacht im November 1938 in der Steinwache in Haft gewesen war, wurden die beiden schließlich am 27. Januar 1942 aus Dortmund nach Riga deportiert. Sie gelten seitdem als verschollen und wurden mit Wirkung vom 8. Mai 1945 für tot erklärt. Wie ein Wunder erscheint es daher, was die Nachfahren von Emmy und Gustav Eisenstein erleben durften. Durch eine glückliche Fügung sind Filmsequenzen von 1938 erhalten geblieben, die über einen der letzten Kindertransporte nach Großbritannien und in den 1950er Jahren in die USA gelangten. Diese zeigen vor allem Privates, aber auch die letzten bewegten Bilder der 1938 abgerissenen Dortmunder Synagoge. Sie sind ein bedeutendes historisches Dokument mit einer tragischen Wendung: Fast alle Personen im Film sind von Dortmund aus deportiert und ermordet worden.Zur Stolpersteinverlegung reisen rund 15 Enkel, Urenkel und Ururenkel aus Israel, Bayern und dem Kölner Raum an. Emmy und Gustav Eisenstein haben 46 heute lebende, direkte Nachfahren.Zwei von ihnen, Ruth Eisenstein und Jan F. Turner, werden am gleichen Tag um 19:00 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache ihre Familiengeschichte erzählen und das Filmmaterial von 1938 präsentieren. Dr. Rolf Fischer wird zu Anfang kurz in den lokalen Verfolgungskontext einführen.

Achtung! Unterschiedliche Veranstaltungsorte

14:00 Uhr, Stolpersteinverlegung für Emmi und Gustav Eisenstein in der

Harkortstraße 73 in Dortmund-Hombruch

19:00 Uhr, Familien- und Verfolgungsgeschichte der Eisensteins mit

Filmpräsentation in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Steinstraße 50

Unternehmen Barbarossa

Bild

Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion

am 22. Juni 1941

 

 

 

 

 

 

 

 

„Unternehmen Barbarossa“ war der Deckname des faschistischen Hitlerregimes für den Überfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion vor 78 Jahren, am 22. Juni 1941.

An dieses Verbrechen und den Völkermord wollen wir erinnern und am Sowjetischen Ehrenmal auf dem Internationalen Friedhof am Rennweg, in Dortmund-Brackel, ein Blumengebinde niederlegen und der Toten und Ermordeten gedenken.

Einladung

zur Gedenkveranstaltung

auf dem Internationalen Friedhof in Brackel

am Rennweg

Samstag, 22. Juni 2019

um 10 Uhr

Gegen das Vergessen!

Verfolgt, verboten und verbrannt – Lesung zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933

Um an die verfolgten Autorinnen und Autoren zu erinnern, stellen aktuell Dortmunder Schriftsteller*innen eine oder einen der Verfolgte*n vor:

Dortmunder Autor: Achim Albrecht, Jurist und Autor.
In der Pfalz aufgewachsen, beruflich rastlos, gerne in Dortmund zuhause.
Noch immer neugierig auf die Welt und ihre Menschen. Motto: Beharrlichkeit ist das, was die Hoffnung am Leben hält.

Achim Albrecht stellt den Autor Ernst Bloch vor

Ernst Bloch aus Ludwigshafen verknüpfte die großen Sinnfragen und künstlerische, surreale Elemente miteinander. Er forderte zum Denken auf und zum Denken heraus. Er war unbequem, ein Humanist und Querdenker. Verfemt bei den Nazis, mit Publikationsverbot belegt in der DDR. Ein Mann, der das großartige Motto vorlebte: ‚ Denken heißt überschreiten‘.

Dortmunder Autor: Thomas Kade
geb. 1955 in Halle (DDR); schreibt Gedichte: „Landschaft mit Stehgeiger“, „Die Augen beim Lieben“, „Körper Flüchtigkeiten“ und Prosa: „Budenzauber. Texte am Kiosk“; „ Die lynchen uns. Kettenroman“; „ Schön hier!“, „Glücksorte in Dortmund“. Übersetzt ins Englische und Niederländische. Stipendium der Kunststiftung NRW 2015 (für Erzählungen), Postpoetry-Preis 2015. Stipendium Kultusministerium NRW (für Erzählungen) 2018.

Thomas Kade stellte den Autor Erich Maria Remarque vor

Remarque (1889–1970) war sicher einer der bekanntesten, umstrittensten und erfolgreichsten der emigrierten Schriftsteller. Mit seinem Weltbestseller „Im Westen nichts Neues“ schuf er den antimilitaristischen Roman, nicht nur von Faschisten gehasst, sondern auch von Bürgerlichen und ehemaligen Kriegsteilnehmern, die sich noch immer im Felde unbesiegt wähnten und die Millionen Toten nicht sinnlos gestorben sehen wollten. Remarque wurde 1938 die Staatsbürgerschaft entzogen, er emigrierte in die USA, wo er einen 2. Bestseller schrieb, „Arc de Triomphe“, über in Paris lebende Emigranten. Sein realistischer, packender Stil kam seinem Erfolg zu Gute. Gelernt hatte er dies als Sportjournalist. Sowohl am Anfang seiner Laufbahn als Autor als auch am Ende verfasste er spannende Sportromane.

Dortmunder Autorin: Marianne Brentzel
studierte in Berlin Politische Wissenschaften, nahm aktiv an der Studentenbewegung teil, organisierte sich in einer der maoistischen Gruppen, schrieb darüber den Roman: Rote Fahnen Rote Lippen. Seit mehr als 20 Jahren erforscht sie das Leben der Nesthäkchenautorin Else Ury, die in Auschwitz ermordet wurde. Sie schrieb weitere Biografien spannender Frauen, u. a. über Hilde Benjamin und Bertha Pappenheim. Weitere Veröffentlichungen: Im Salon der Dichterinnen. Die Nelly-Sachs-Preisträgerinnen; TOR UND TOD. DER 4. JULI 1954; 1968 – Bilanz eines Aufbruchs. 2014 erhielt sie den Literaturpreis Ruhr 2014.

Marianne Brentzel stellt Else Ury vor

Else Ury (1877–1943) Alle Welt kennt Nesthäkchen. Fast sieben Millionen Auflage konnten die Mädchenbücher seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts für sich verbuchen. Das Schicksal der Nesthäkchen-Autorin Else Ury aber lag lange Zeit völlig im Dunklen. Hinter der Fassade der heilen Welt der Nesthäkchenbücher lauert das Leben einer deutschen Jüdin, die 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

Dortmunder Autorin: Heike Wulf
lebt als Schriftstellerin und Lese- und Literaturpädagogin in Dortmund. Sie arbeitet als freie Redakteurin und Herausgeberin und leitet das von ihr entwickelte Wort-Café in der Mayerschen Buchhandlung in Dortmund. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien. 2011 erschien ihr erster Krimiband „Am Abgrund ist die Aussicht schöner“.

Heike Wulf stellt Primo Levi vor

Primo Levi war ein italienischer Schriftsteller und Chemiker. Er ist vor allem bekannt für sein Werk als Zeuge und Überlebender des Holocaust. In seinem autobiographischen Bericht Ist das ein Mensch? hat er seine Erfahrungen im KZ Auschwitz festgehalten. Er schrieb außerdem auch unter dem Pseudonym Damiano Malabaila.

Veranstalter: Mahn- und Gedenkstätte Steinwache

Datum: Mittwoch, 29. Mai 2019

Uhrzeit: 19:00 Uhr

Ort: Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Steinstr. 50, 44147 Dortmund

Gedenken in Lippstadt – Karsamstag 20.04.2019 – Rede Georg Deventer

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Sabine Pfeffer,

sehr geehrter Herr DGB-Kreisvorsitzender Holger Schild, verehrte Anwesende,

die Toten sind unter uns. Wir, die leben und  sehen, gedenken heute den sechs deutschen Metallarbeitern und sieben französischen Zwangsarbeitern, die 1945 von der Gestapo hier in Lippstadt verhaftet wurden und dann im Rombergpark bzw. in der Bittermark in Dortmund von der Gestapo ermordet worden sind.

Die sechs mutigen Metallarbeiter des Union Drahtseilwerkes hier in Lippstadt hatten sich gegen die schlechte Behandlung der Kriegsgefangenen durch die Bewacher im Betrieb gewandt und öffentlich ihre Empörung über den Eroberungskrieg Hitlers geäußert. Sie verbreiteten ausländische Rundfunknachrichten und standen in enger Verbindung zu den französischen Zwangsarbeitern, die nach Lippstadt verschleppt worden waren und hier zur Fronarbeit gezwungen wurden.

Von einem Spitzel auf die Spur gebracht, wurden die Metallarbeiter und französischen Kollegen von der Gestapo verschärft vernommen, dann ins Polizeigefängnis Herne überführt und in der Karwoche 1945 in einen Kerker in Dortmund-Hörde gebracht, wo sie mit anderen zusammengepresst auf ihren Abtransport in den Tod warteten. Bei Nacht und Nebel wurden die Gefangenen aus den Kellern geführt, Bewaffnete hatten ihre Hände mit Stacheldraht gefesselt. Vor den Bombentrichtern niederkniend werden sie von den Gestapobeamten erschossen und verscharrt.

Am gestrigen Karfreitag trafen sich viele hundert Menschen am Mahnmal in der Dortmunder Bittermark, um der Gewaltverbrechen der Nationalsozialisten in der Kriegsendphase zu gedenken. Allein die sog. Karfreitagsmorde 1945 in der Bittermark und im Rombergpark zählten über 300 Opfer.  Wir betrauern diese Meere von Augen, zu Stein erschrocken, ihre Leiber geschändet und um ihr Leben gebracht.

Unser Freund und Mitstreiter im Förderverein der Mahn-und Gedenkstätte Steinwache und Internationales Rombergparkkomitee, Walter Liggesmeyer, Dortmunder Maler und Schriftsteller, mit ostwestfälischen Wurzeln und vor zwei Jahren verstorben, hat in einem Gedicht zu den Opfern des Naziterrors und des Holocaust gemahnt:

„In allen Zeiten

mag man

ihren Namen auch vergessen

Diese Asche bleibt –

Granit und schwarz“

Unermesslich: jedes einzelne Leid

Unbegreiflich: so viele Opfer des Naziregimes und des verheerenden Krieges.

Statistiken geben darüber keine Auskunft. Den oberflächlichen Menschen verhelfen sie eher, erduldetes Leiden aus dem Gedächtnis zu löschen.

Wir müssen begreifen: jeder Einzelne kam auf die Welt, um zu leben und zu lernen, aufzuwachsen und zu reifen, um zu lieben und geliebt zu werden, zu träumen und zu fühlen. Jeder Einzelne mit dem Recht auf Menschenwürde und Achtung.

Wir betrauern und beweinen die Opfer dieser menschenverachtenden und sinnlosen Gewalttaten, für die es absolut keine Rechtfertigung gibt. Wir müssen das Unrecht bekämpfen, wir müssen das Miteinander lernen, wir müssen Erinnern, wir müssen warnen und wir müssen handeln:

Denn inmitten unserer Gesellschaft sind

– Ausländerfeindlichkeit

– Gewalt gegen Andersdenkende

– Übergriffe gegen Schwache und Benachteiligte

– sind offenen gezeigter Rassismus, Antisemitismus und offen gezeigtes braunes     Gedankengut kein Randproblem mehr.

Auf der Straße, bei Versammlungen, in der Musikszene, im Internet, in den Medien werden unverhohlen heuchlerische und fremdenfeindliche Parolen und rechtsextremes Gedankengut propagiert. Das darf nicht zugelassen werden. Rechtsextremismus und Rassismus dürfen durch Gleichgültigkeit, stillschweigende Billigung und tatenloses Wegsehen nicht genährt werden.

Wir brauchen konsequente polizeiliche Reaktionen und wirkungsvolle strafrechtliche Konsequenzen für rechte Gewalt- und Straftäter und Volksverhetzer.

Bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind insbesondere im Bereich der Sozialpolitik und in der Arbeitsmarktpolitik, im Bereich der Politik für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien große Anstrengungen nötig.

Die beste Prävention gegen Gewalt und Rechtsextremismus und Rechtspopulismus ist eine sichere Lebensperspektive. Junge Menschen brauchen glaubwürdige Chancen auf gesellschaftliche Integration und Teilhabe. Man braucht konkrete Zukunftsperspektiven. Man braucht Anerkennung und keine Ausgrenzung.

Eine erfolgreiche Politik in diesem Sinne ist zwar kein Garant für eine Verhinderung von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, doch o h n e sie sind alle präventiven Mühen vergeblich.

Schnell haben die rechten Demagogen begriffen, wie leicht sie Sozialschwache und an den Rand der Gesellschaft Gedrängte in ihren Bann ziehen können.

In der schulischen und außerschulischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind eine Vielzahl von Maßnahmen, Aktivitäten und Projekten nötig, um die junge Generation an demokratische und humanistische Grundwerte heranzuführen.

Dies alles muss nachhaltig geschehen.

Wichtig ist auch die Förderung der Integration der hier lebenden ausländischen Heranwachsenden in der mittlerweile schon dritten Generation. Sie haben keinen oder eben einen anderen Zugang zur deutschen Erinnerungskultur.

Wir brauchen ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Es gibt überall im Lande eine Vielzahl hoffnungsvoller Ansätze. In Dortmund zum Beispiel haben sich in einigen demokratischen Bündnissen viele Organisationen, Vereine, Verbände, Parteien, Kirchen und gesellschaftliche Gruppen zusammengeschlossen, um nicht tatenlos zuzusehen.

In Schulen, Jugendverbänden und Freizeitstätten werden nachhaltig Initiativen und Aktionen geplant und durchgeführt. Es werden Netzwerke geschaffen. Insbesondere die „Botschafter der Erinnerungen“, angestoßen vor gut 10 Jahren, sind hoffnungsvolle Zukunftsaussichten.

So tragen die jungen „Botschafter der Erinnerung“ seit einigen Jahren wesentlich zum Programm der gestrigen Gedenkveranstaltung am Mahnmal in der Bittermark bei. Und besonders freut uns die steigende Zahl der jungen Besuchergruppen der Mahn-und Gedenkstätte Steinwache.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

Erinnerungsarbeit dient der Zukunft. Deshalb sind Veranstaltungen für historisches Erinnern notwendig, weil sie mahnen und die Erinnerung wach halten.

Verfolgung und Unterdrückung und eine perverse Perfektion organisierter Vernichtung von Menschen darf niemals mehr vom deutschen Boden ausgehen.

Wir gedenken aller Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft:

Jüdische Mitbürger, Widerstandskämpfer und Antifaschisten, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, Sinti und Roma, Homosexuelle, verfolgte Christen und Zeugen Jehovas, verfolgte und getötete Menschen mit Behinderung und psychisch Kranke.

Nie wieder Krieg.

Doch wieder ist Krieg. Nicht nur im Irak, Syrien oder im Jemen. Weltweit zählen wir etwa 40 „vergessene“ Kriege und bewaffnete Konflikte. Und deutsche Rüstungsfirmen machen  hervorragende Geschäfte mit Waffenlieferungen in alle Welt.

Sind wir ohnmächtig und hilflos? Können wir das ändern?

Eine andere Welt ist möglich. Wir dürfen nämlich nicht aufhören, uns gegen Gewalt zu richten. Wir dürfen nämlich nicht aufhören, die Lösung von Konflikten mit friedlichen Mitteln zu fordern.

Und allen Worten müssen Taten folgen. Nur d a s können wir von anderen erwarten, wozu wir selbst bereit sind. Engagement ist wichtiger als je zuvor.

Ich möchte Bert Brecht zitieren:

„ Findet das immerfort Vorkommende nicht natürlich;

denn nichts werde natürlich genannt,

in diesen Zeit blutiger Verwirrung,

verordneter Unordnung,

planmäßiger Willkür,

entmenschter Menschheit,

damit nichts unverändert gelte“

Meine Damen und Herren, liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

lassen Sie uns in Stille der Opfer gedenken. Die Toten sind unter uns.

Auf dem Foto: Wolf Stötzel, Georg Deventer, Ernst Söder am Gedenkstein in Lippstadt

 

 

Besuch der Kriegsgräberstätte des Lagers Stalag VI A nach Hemer

Gemeinsam mit den Gästen aus den Niederlanden und Berlin unternahm der Förderverein am Donnerstag vor Karfreitag eine Studienfahrt zur Gedenkstätte des Stalag VI A in Hemer und hat dort u.a. auch die Kriegsgräberstätten des Lagers besucht.

Stalag ist eine Abkürzung für „Kriegsgefangenen-Mannschaftsstammlager.“ Das Stalag VI A in Hemer war während des Zweiten Weltkrieges eines der größten Kriegsgefangenenlager im Deutschen Reich.

Mehr als 320 Tausend Kriegsgefangene durchliefen von September 1939 bis April 1945 das Lager in Hemer.

Menschen verschiedener Nationen wurden dort unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten. Hunger, Krankheit, Misshandlungen und Erschöpfung kostete vielen Gefangenen das Leben. Besonders schlimm war das Los der sowjetischen Kriegsgefangenen, die ab Oktober 1941 im VI A inhaftiert waren.

Das Stalag VI A in Hemer war insbesondere für die Bereitstellung von Arbeitskräften für den Ruhrbergbau zuständig. Die Kriegsgefangenen mussten in Betrieben und Zechen schuften. Wenn sie nicht mehr arbeitsfähig waren, wurden sie völlig entkräftet von der harten Arbeit ins Lager zurückgeschickt. Viele, insbesondere sowjetische Kriegsgefangene, starben im Lager.

Auf dem Friedhof auf dem Duloh wurden mehr als 20 Tausend meist sowjetische Kriegsgefangene begraben. Von sehr vielen sind die Namen bis heute nicht bekannt. Das Denkmal auf der Kriegsgräberstätte „Höcklinger Weg“ trägt die Inschrift „Hier ruhen 3000 sowjetische Bürger, die in den Jahren 1941 – 1945 fern ihrer Heimat starben“.

 

 

 

 

Redebeitrag am Karfreitag 2019 in der Bittermark – Ernst Söder – Förderverein Gedenkstätte Steinwache – IRPK

 

 

 

 

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Ulli Sierau,

verehrte Madame Godard, lieber Wolfgang Asshoff,

liebe Botschafterinnen und Botschafter der Erinnerung!

Meine Damen und Herren!

Wir klagen an! Wir klagen an den faschistischen Mob, der unsägliche Verbrechen an aufrechten Menschen und ihren Kindern verübt hat. Wir klagen an, wenn wir schweigen, schreien die Steine.

Heute gedenken wir der Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft, all‘ der Ermordeten, denen von den Nazis das Recht auf Leben abgesprochen wurde, derer die Widerstand leisteten, die ihr Leben als Andersdenkende verloren, die sich nicht beugten und ihre politische Überzeugung, ihre Moral und ihren Glauben nicht aufgaben.

Wir gedenken der Bittermarkopfer und tausender sowjetischer, französischer,  polnischer und jugoslawischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter, die den Massenmördern ausgeliefert waren.

Diese, von einem zivilisierten Verhalten weit entfernte Barbarei – vor allem der Gestapo – war nicht nur eine Tat bloßer Willkür, sie macht das Wesen des Faschismus aus.

Hände und Füße wurden diesen armen Opfern mit Stacheldraht gefesselt, ihre Leiber bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, so dass die Mehrzahl von ihnen nicht mehr zu erkennen war.

Warum diese Grausamkeiten? Oft wird gesagt, dass die Banditen nicht mehr auf einen „Endsieg“ hofften, dass sie Zeugen ihrer Verbrechen zum Schweigen bringen und sie als Mitgestalter Deutschlands ausschalten wollten.

Aber verehrte Anwesende. Das ist eine Verharmlosung der Untaten. Können Kleinkinder Zeugen sein? Muss man sie quälen und töten, um sie als Zeugen zu beseitigen? Nein und abermals nein! Die Schergen glaubten an ihren „Endsieg“ und sie waren von der Richtigkeit ihrer Verbrechen überzeugt. Sie hielten sich für die Elite der Nation. Tatsächlich waren sie unerträgliche Lumpen und feige Verbrecher. So bleibt nur ein Schluss: Es war reine Mordlust, die sie trieb. Sie beendeten ihren Abgang mit Totschlag, Raub und Mord, ebenso wie sie in Deutschland ihren Machtantritt begonnen hatten.

Millionen von Toten hat die braune Pest zu verantworten. Aber die Menschen sind nicht einfach gestorben. Sie wurden ermordet, zertrampelt, vergast, erschlagen, sie wurden erstickt, ersäuft, gehenkt, vergiftet, erschossen und abgespritzt. So stellten es die befreiten Buchenwälder in ihrem Schwur – heute vor genau 74 Jahren – am 19. April 1945 – fest.

Allein in Buchenwald wurden 56 Tausend Menschen ermordet. Man muss sich das vorstellen, die Zahlen sind abstrakt. Das sind beispielsweise alle Einwohner des Stadtbezirkes Hombruch bzw. Brackel oder in Dortmund-Aplerbeck.

Wir verneigen uns heute vor den Toten und wissen zugleich um die tiefen, lebenslang schmerzenden Wunden, unter denen die überlebenden dieser Schrecken und Verbrechen zu leiden haben.

Im Gedenken an das Leid und die im deutschen Namen begangenen Verbrechen, den weit in alle Bevölkerungskreise hineinreichenden Verlust von Humanität, bekennen wir uns dazu, wachsam gegenüber Unmenschlichkeit zu bleiben und uns gegen Ausgrenzung gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu Wehr zu setzen.

Ewiggestrige sind jedoch bestrebt, von den Ursachen des Faschismus und dem unermüdlichen Leid  der Hitlerdiktatur und seiner internationalen Verbrechen abzulenken. Es gibt bei uns, wie in anderen Ländern, seit langem neofaschistische Umtriebe, die nicht verharmlost und unbeachtet bleiben dürfen und die wir benennen müssen.

So ist es auch nicht hinnehmbar, dass der von den deutschen Faschisten begangene Völkermord von Abgeordneten des Deutschen Bundestages stets verharmlost wird. Parteien, die eine rassistische Politik betreiben und die Nazizeit verharmlosen, dürfen in deutschen Landen keine Normalität werden. Sie sind überflüssig wie ein Kropf.

Der Rechtsextremismus sitzt in unserer Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür und an manchen Stellen droht er, die gesunden Zellen aufzufressen. Hetzer und Populisten von rechts sind Rechtsradikale und sie sind Deutschnationale mit ihrer völkischen Rhetorik, auch wenn sie mit Adelstiteln daherkommen.

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern erfahren wir schon seit geraumer Zeit die Ernte des ausgesäten Windes, und aus einem lauen Lüftchen ist ein böser Sturm geworden. Doch das ist nicht der wünschenswerte, notwendige und frische Wind. Das ist der stinkende Wind aus der Kloake der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Die Ausgrenzung Andersdenkender, anders Gläubiger und anders Aussehender, ist allgegenwärtig. Die Repression gegen die freie Presse feiert in einigen Ländern fröhlichen Urstand. Es ist vielerorts eine Atmosphäre voller Hass und Gewalt entstanden. Die Wahrheit ist schon seit langem kein Maßstab mehr, alles wird behauptet und zusammengelogen, wenn es nur die Ängste und Vorurteile schürt.  Und die herrschende Politik gibt diesen Stimmungen nach und befeuert sie auch noch.

Regierungen, wie beispielsweise in Italien, Polen und Ungarn machen die Gefahr einer Rechtsentwicklung in Europa deutlich. Mittlerweise haben diese Regierungen ihr politisches Profil unter das Motto „Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus“ gestellt.

Aber auch in Dänemark, Schweden, Österreich, in Frankreich und Großbritannien beobachten wir seit langem einen zunehmenden  Rechtspopulismus, und im Baltikum ist es möglich, dass ehemalige Horden der SS öffentlich und mit dem Wohlwollen ihrer Regierungen ihre Paraden abhalten. Es ist unglaublich, dass diese Banditen aus dem deutschen Bundeshaushalt eine Rente beziehen, weil sie dem Führer bis zum Schluss gedient haben.

1945 haben die Menschen gesagt: „Nie wieder Krieg!“- Aber wie viele Kriege hat es seit 1945 gegeben, Kriege an denen auch unser Land beteiligt war. Jährlich werden fast zwei Billionen Euro für Rüstung und Krieg ausgegeben.

Die Rüstungsexporte und Rüstungsimporte steigen, über 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht; auf der Suche nach Sicherheit ertrinken tausende Menschen im Mittelmeer, das zur tödlichen Grenze geworden ist. Die Kriege und bewaffneten Konflikte wie beispielsweise in Syrien, Kurdistan, im Irak, in Afghanistan oder der Ukraine nehmen kein Ende.

Wie lange, meine Damen und Herren, kann die Weltgemeinschaft das noch ertragen? Welche Sicherheiten haben wir, dass all diese Konflikte nicht eines Tages dazu führen, die Demokratien in Europa zu gefährden und es wieder zu totalitären Systemen kommen könnte?

Deshalb ist es notwendig, dass wir vor allem der jungen Generation immer wieder vor Augen führen, wo es schon einmal geendet hat, als man die Menschenwürde mit Füßen trat, die Grundprinzipien mitmenschlichen Umgangs missachtete und einem von vielen Deutschen bejubelten Führer Allwissenheit und Allmacht zubilligte. Wir wissen, wohin uns das geführt hat. August Bebel hatte schon Recht, wenn er sagte, dass man nur dann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten kann, wenn man die Vergangenheit kennt.

Bemerkenswert und lobenswert sind die Aktivitäten der jungen Botschafterinnen und Botschafter der Erinnerung, die auch heute wieder diese Gedenkfeier vorbereitet und ausgestaltet haben. Liebe Freunde: Respekt für eure Aktivitäten und herzlichen Dank im Namen des Internationalen Rombergpark-Komitees für euren vorbildlichen und ermutigenden Einsatz. Ihr habt bisher einen ansehnlichen Beitrag in unserer Stadt für die Erinnerungskultur und in der Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Tendenzen geleistet.

An den Gräbern der Ermordeten legen wir ein Bekenntnis ab zu Frieden, Toleranz und Gerechtigkeit. Wir schulden es den unschuldigen Opfern und unserer Nachwelt. Bekennen wir uns zu ihren Idealen von Menschenwürde und Freiheit.

Erinnern und gedenken, mahnen, aber auch handeln, das ist unsere Losung. Ja, wir wollen Frieden, ja wir wollen eine Gesellschaft ohne Nazihorden und ihre Ideologie. Dafür müssen wir kämpfen und wachsam sein. Faschismus ist keine Weltanschauung, sondern ein Verbrechen. Faschisten sind Verbrecher, denen wir uns in den Weg stellen müssen.

Der schon erwähnte Schwur von Buchenwald, vom 19. April 1945, dem wir uns verpflichtet fühlen, besagt in seiner Kernaussage „den Kampf erst einzustellen, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht und das Ziel zu erstreben, eine neue Welt des Friedens und der Freiheit aufzubauen.“

Günter Pappenheim, Häftling von Buchenwald, schreibt dazu. „Für mich war der Appell vom 19. April 1945 lebensbestimmend geworden. Wir 21 Tausend Überlebende des KZ Buchenwald schworen an diesem Tag und der Schwur wurde für uns der Kompass fürs Leben.

Und weiter: Wenn heute unterstellt wird, der Kerngedanke des Schwurs stelle die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland in Frage und gefährde sie sogar, ist eine unerträgliche Beleidigung der 56 Tausend Opfer und der Überlebenden des KZ Buchenwald.

Die Ungeheuerlichkeit des Vorwurfs mahnt uns, im Bemühen um eine gerechtere Welt nicht nachzulassen und keinen Schritt zurückzuweichen. Dabei standhaft zu bleiben verlangt, sich Wissen anzueignen, historische Zusammenhänge begreifen zu lernen und die Fähigkeit zu schlussfolgern, auszuprägen.

Die solche üblen Gedankengänge aushecken, mögen uns erklären, was vernünftiger ist, als eine Welt des Friedens und der Freiheit, die die Bekämpfung des Faschismus mit seinen Wurzeln impliziert.“

Für mich ist nicht klar, warum der Schwur von Buchenwald verfassungswidrig sein soll, das können sich nur Hirne ausgedacht haben, die die Vergangenheit bis jetzt nicht bewältigen konnten.

Das beeindruckende Mahnmal in der Bittermark, vor dem wir stehen, wurde Ende der fünfziger Jahre errichtet. Es soll die Menschen für immer an die grausame Naziherrschaft in Dortmund und vielen Ländern Europas erinnern. Es schweigt nicht, seine Steine schreien und mahnen uns zu kämpfen, rastlos zu kämpfen gegen Faschismus und Krieg.

 

 

 

 

 

 

 

Karfreitagsveranstaltungen 2019

Freitag, 19. April 2019 – 10.30 Uhr

Gedenken auf dem Internationalen Friedhof in Brackel

Moderation und Führung: Norbert Schilff

 

Freitag, 19. April 2019 –   15.00 Uhr

Gedenkveranstaltung an der Mahn- und Gedenkstätte Bittermark     

 

 

 

 

Programmablauf:

Es sprechen:

Ulli Sierau, Oberbürgermeister

Ernst Söder, Förderverein Gedenkstätte Steinwache/ Internationales Rombergpark-Komitee e.V.

Nicole Godard, Frankreich

Moderation Botschafter_innen der Erinnerung

60 Jahre Bittermark: Wolfgang Asshoff

Kulturelle Beiträge der BdE 

Nach der Gedenkveranstaltung in der Bittermark laden wir zum gemeinsamen Kaffeetrinken in die Begegnungsstätte der AWO „Haus Bittermark“ ein.

Adresse: Do-Bittermark, Sichelstr. 2

Karfreitag findet um 11 Uhr am Mahnmal im Südpark in Lünen, in Erinnerung an die aus Lünen stammenden ermordeten Antifaschisten, ebenfalls ein Gedenken statt.                                    

WIR LADEN HERZLICH EIN!

Mit dem Gedenkstein in Lippstadt erinnern die Gewerkschaften an die sechs deutschen Metallarbeiter und sieben französischen Zwangsarbeiter, die 1945 von der Gestapo verhaftet und im Rombergpark bzw. in der Bittermark von der Gestapo ermordet worden sind.

Sie arbeiteten gemeinsam bei den Lippstädter Drahtseilwerken, der Betriebsdirektor hatte sie bei der Gestapo denunziert, nachdem sie einen ausländischen Radiobeitrag angehört hatten.   

KARSAMSTAG um 11 Uhr findet ein Gedenken am Gedenkstein an der  St. Josefskirche statt.

Es sprechen:

Holger Schild, DGB-Kreisvorsitzender                                  

Christof Sommer, Bürgermeister                                       

Georg Deventer Gedenkstätte Steinwache / IRPK e.V.

  1. April 2019